Einführung in GTD (Teil 4): Der zweite Schritt: Durcharbeiten

Getting Things Done GTD
Vor ein paar Jahren hat eine neue Methode der Selbstorganisation das Licht der Welt erblickt: Getting Things Done (abgekürzt GTD). Der “Erfinder” von GTD, David Allen, erklärt in seinem Buch, welches ihn bekannt gemacht hat, wie man seine Dinge wieder in den Griff bekommt und seinen Alltag managen kann.

In der Artikelserie “Einführung in GTD” werden die Grundsätze von GTD erklärt. Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung: Am Ende sollten Sie fähig sein, die ersten Schritte mit GTD machen zu können. Einen Überblick über die Serie finden Sie hier.

Im letzten Teil ging es um das Erfassen von losen Enden. Wichtigster Grundsatz: Leeren Sie Ihren Kopf und erfassen Sie alle losen Ende zu 100%. Wenn Sie das getan haben (analog oder digital), wandert die Notiz in Ihren Eingangskorb. Mindestens einmal pro Tag wird dann der Eingangskorb geleert. Um das Verfahren, wie man den Eingangskorb am besten leert, geht es in diesem Teil. Der Einfachheit halber gehe ich davon aus, dass Sie Ihre Notizen analog, also auf Papier, erfassen. Wenn Sie Ihre Notizen digital erfassen, ist das Verfahren natürlich entsprechend anwendbar.

Sie haben also Ihre losen Ende fleissig gesammelt und nun haben Sie einen mehr oder weniger vollen Eingangskorb. Dieser ist nun durch zu arbeiten. Dazu gibt es zwei Regeln:

  • Nehmen Sie jeden Zettel und jedes Dokument nacheinander einzeln in die Hand. Der Einfachheit halber beginnen Sie einfach oben. Die untersten Zettel können ja höchstens einen Tag alt sein, wenn Sie Ihren Eingangskorb tatsächlich täglich leeren.
  • Legen Sie nie einen Zettel zurück in den Eingangskorb, sondern treffen Sie sofort eine Entscheidung nach dem folgenden Schema.

Die erste Frage, die Sie sich zu dem Papier in Ihrer Hand stellen, lautet:

Worum geht es überhaupt?

Banal, nicht wahr? Aber Sie können sich kaum vorstellen, wie viele Leute sich diese Frage gar nicht stellen. Oftmals wird irgendetwas spontan gemacht, was vielleicht gar nicht nötig wäre. Fragen Sie sich deshalb lieber, um was es sich handelt. Ist es

  • eine Idee?
  • eine neue Aufgabe?
  • etwas, was Sie nur Durchlesen müssen?
  • eine Telefonnummer oder eine Adresse, die Sie in Ihre Kartei einarbeiten müssen?
  • eine Rechnung, die Sie bezahlen müssen?
  • oder etwas ganz anderes?

Überspringen Sie diese Frage nicht, denn nur so können Sie schnell eine passende Entscheidung treffen. Natürlich müssen Sie nicht gerade ein Brainstorming durchführen, aber seien Sie sich bewusst, um was es sich handelt.

Danach kommt die zweite Frage:

Ist etwas zu tun?

Auch hier wiederum: Oft verfällt man direkt in Aktivismus, obwohl man eigentlich gar nichts tun müsste. Nehmen Sie sich die Zeit für diese kurze Frage, es lohnt sich!

Antwort: Ja, es ist etwas zu tun.

Falls Sie damit wirklich etwas tun müssen, gibt es in GTD nur zwei Möglichkeiten: Entweder handelt es sich um ein neues Projekt oder es ergibt sich ein Handlungsschritt daraus.

Projekte

GTD versteht Projekte umfassender als üblich. Ein Projekt ist jede Aufgabe, die aus mindestes zwei Handlungsschritten besteht. Somit ist auch “Fahrradreifen flicken” ein Projekt. Sie müssen nämlich zuerst einen neuen Schlauch kaufen, dann den Reifen reparieren und schlussendlich eine Probefahrt machen. Oder denken Sie an die Aufgabe “Projektkonzept erstellen”. Das beinhaltet zuerst die Recherche, dann vielleicht der Austausch mit Kollegen, dann das Schreiben des ersten Entwurfes, anschliessend holen Sie sich Feedback von Ihren Kollegen usw. Das klingt ein wenig nach Überplanung, aber spätestens im nächsten Teil werden Sie den Sinn darin erkennen.

Wenn es sich also um ein Projekt handelt, dann tragen Sie dieses auf einer speziellen Projektliste ein und überlegen sich den nächsten Schritt.

Handlungsschritt

Wenn es sich um eine Aufgabe handelt, die Sie in einem Schritt erledigen können, dann überlegen Sie sich Folgendes:

  • Was ist konkret der nächste Schritt?
  • Delegieren: Können Sie es delegieren? Vielleicht ist jemand anders besser für die Erledigung geeignet. Delegieren Sie es also direkt: Rufen Sie jemanden kurz an oder schreiben Sie eine Mail.
  • Erledigen: Dauert das Erledigen weniger als 2 Minuten? Falls ja, dann erledigen Sie es sofort. Es hat keinen Sinn, die Aufgabe zu verschieben oder auf die Aufgabenlisten aufzunehmen, das kostet mehr Zeit und Energie, als wenn Sie es direkt erledigen. Die 2 Minuten sind eine Hausnummer. Je nach Ihrer Arbeit und Gewohnheit können Sie sich auch die Limite von 5 oder 10 Minuten setzen. Mehr empfehle ich aber nicht.
  • Verschieben: Wenn das Erledigen länger als 2 Minuten dauert, dann verschieben Sie es. Aufschoben ist aber nicht aufgehoben. Hier geht es darum, den nächsten konkreten Schritt auf Ihre Aufgabenlisten zu übertragen.

Antwort: Nein, es ist nichts zu tun.

Einfach wird es natürlich, wenn Sie die Eingangsfrage (“Ist etwas zu tun?”) mit Nein beantworten können. Dann gibt es nämlich nur drei Möglichkeiten:

  • Werfen Sie es weg.
  • Stellen Sie es zurück. Vielleicht möchten oder können Sie jetzt noch nichts damit tun, aber Sie wollen es aufheben für später oder müssen eine Entwicklung abwarten. Denken Sie an Ideen, die Sie gerne mal umsetzen würden (“ich würde gerne mal…”), aber eben nicht jetzt. Oder an Dinge, die Sie jetzt noch gar nicht tun können (z.B. Karten für ein Konzert bestellen, wenn der Vorverkauf noch gar nicht begonnen hat).
  • Legen Sie es ab. Das sind Dinge, auf die Sie irgendwann Zugriff haben möchten oder die wichtig werden könnten, wie beispielsweise die Karte vom Pizza-Bestellservice oder der Jahresbericht einer Firma, den Sie zwar nicht lesen müssen, aber irgendwann mal vielleicht brauchen.

Mit diesen wenigen Möglichkeiten können Sie alles bearbeiten, was in Ihrem Eingangskorb landet. Der Übersicht halber finden Sie im Folgenden als Zusammenfassung eine kurze Übersicht über das Durcharbeiten des Eingangskorbes. Klicken Sie darauf, um es in voller Grösse zu betrachten.

Durcharbeiten in GTD als Flussdiagramm

Im nächsten Schritt geht es dann darum, wie die Aufgabenlisten organisiert und das Archiv aufgebaut ist.

Einführung in GTD: Übersicht

Einführung in GTD (Teil 3): Der erste Schritt: Erfassen

Vor ein paar Jahren hat eine neue Methode der Selbstorganisation das Licht der Welt erblickt: Getting Things Done (abgekürzt GTD). Der “Erfinder” von GTD, David Allen, erklärt in seinem Buch, welches ihn bekannt gemacht hat, wie man seine Dinge wieder in den Griff bekommt und seinen Alltag managen kann.

In der Artikelserie “Einführung in GTD” werden die Grundsätze von GTD erklärt. Der Schwerpunkt liegt auf der Umsetzung: Am Ende sollten Sie fähig sein, die ersten Schritte mit GTD machen zu können. Einen Überblick über die Serie finden Sie hier.

In den ersten beiden Teilen der GTD-Einführung ging es allgemein um GTD und dessen Prozess. Es ist wichtig, den Prozess zu verstehen, bevor man in die Details geht. Hier nochmals der Prozess zusammen gefasst:

  1. Erfassen
  2. Durcharbeiten
  3. Organisieren
  4. Durchsicht/Pflege
  5. Durchführung

Die weiteren Artikel der GTD-Serie widmen sich je einem dieser Schritte. Heute geht es um das Erfassen.

Der Grundsatz und gleichzeitig der wichtigste Grundstein des ganzen GTD lautet:

Erfassen Sie alle losen Enden und zwar zu 100%.

Wir haben bereits über lose Enden gesprochen: Ein loses Ende ist etwas, was Sie noch weiter bearbeiten möchten oder müssen, was aber noch keinen Anschluss hat. Also Unerledigtes, Idee, Einfälle, Dinge zum Einkaufen, Telefonnummern, die sie noch nicht gespeichert haben usw.

Diese losen Enden müssen Sie alle aus Ihrem Kopf verbannen. Sie kennen die Situation: Ihnen fällt plötzlich etwas ein, was Sie ja nicht vergessen dürfen. Wenn Sie das nicht sofort aus dem Kopf verbannen, indem Sie es aufschreiben, wird es immer wieder auftauchen und Sie jedes Mal mental unterbrechen. Oder Sie vergessen es irgendwann. Weder das eine noch das andere klingt sehr angenehm, deshalb: Erfassen Sie alle losen Enden.

Logische Konsequenz aus dieser Botschaft (“Erfassen Sie alle losen Enden”) ist, dass Sie immer etwas zum Schreiben bei sich haben müssen. Das “Was” ist egal, aber das “Dass” ist essentiell. Suchen Sie sich das Hilfsmittel, welches Ihnen am meisten behagt. Ich bevorzuge zum Notieren einen einfachen kleinen Notizblock und einen Stift. Vielleicht bevorzugen Sie aber einen PDA oder Ihr iPhone. Oder Sie benutzen ein Diktiergerät. Beachten Sie bei der Auswahl folgende fünf Punkte:

  • Benutzen Sie ein Hilfsmittel, welches Sie gerne benutzen und Ihnen Spass macht.
  • Das Hilfsmittel muss sofort einsatzbereit sein, wenn Ihnen etwas einfällt. Ein Laptop ist das in der Regel nicht, wenn Sie ihn zuerst noch hochfahren müssen. Ein PDA oder ein Notizblock hingegen schon.
  • Notieren Sie grosszügig. Eine Idee pro Notizzettel. So vermischen Sie nicht verschiedene Dinge mit einander.
  • Benutzen Sie so wenige Arten von Hilfsmittel wie möglich, am besten nur eins. Sobald man den einen Einfall auf eine alte Quittung notiert, den nächsten im Handy und den übernächsten im Computer, verliert man schnell die Übersicht und damit mit der Zeit auch interessante Ideen und Einfälle. Von meinen Notizblöcken habe ich einen ganzen Vorrat gekauft und sie überall dort verteilt, wo ich sie am häufigsten brauche. Ich benutze ausschliesslich diese Notizblöcke.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie immer und in jeder Situation etwas festhalten können. Das bedeutet, dass Sie entweder Ihr Hilfsmittel immer auf sich tragen oder dass Sie beispielsweise wie ich an allen möglichen Orten Notizblöcke verteilen. Wichtig ist, dass Sie auch im Bett, auf dem Sofa, unterwegs, im Büro oder in der Küche sofort etwas festhalten können.

Wenn Sie sich nicht entscheiden können, ob Sie Ihre Notizen lieber digital oder auf Papier festhalten wollen, dann schauen Sie doch mal in meine Mini-Serie “Analog vs. Digital” rein. Dort finden Sie ein paar Anregungen.

Alle Dinge, die Sie so festhalten, kommen dann in einen Eingangskorb. Der Eingangskorb ist eigentlich nur ein Sammelbehälter. In der Regel haben Sie mehrere Eingangskörbe, im Optimalfall nur zwei: Einen elektronischen und einen für Papiere. Versuchen Sie, die Anzahl so klein wie möglich zu halten.

Der wichtigste digitale Eingangskorb ist der Posteingang des E-Mail-Programms. E-Mails im Posteingang sind nichts anderes als lose Enden: Sie müssen sie beantworten, weiterleiten oder es ergibt sich eine Aufgabe daraus. Spätestens wenn Sie eine Mail nicht mehr weiter bearbeiten müssen, entfernen Sie sie aus dem Posteingang. Das Ziel ist ein vollständig leerer Posteingang. Legen Sie sie ab oder löschen Sie sie. Wie Sie dabei am besten vorgehen, lesen Sie im nächsten Teil dieser Einführung. Wenn Sie aber bereits jetzt Hand anlegen wollen, dann bekommen Sie wertvolle Tipps im Artikel “Das LAHA-Prinzip für einen leeren Posteingang“.

Im analogen Eingangskorb für Papiere landen all Ihre losen Enden, die Sie sich notiert haben, aber auch Briefe, Memos, Dinge zum Lesen usw. Gleiches Prinzip: Was noch keinen Anschluss hat, landet im Eingangskorb, sobald es einen Anschluss gefunden hat, kommt es wieder heraus. Benutzen Sie als analogen Eingangskorb einfach eine Briefablage oder etwas ähnliches. Wenn Sie Ihre losen Enden digital erfassen, können Sie das Gerät auch in den Eingangskorb legen – sofern es hinein passt. So vergessen Sie nicht, die losen Enden regelmässig weiter zu bearbeiten.

Das ist der nächste entscheidende Schritt: Wie bekommen Sie Ihre Dinge wieder aus dem Eingangskorb heraus? Die Kurzantwort: Leeren Sie mindestens einmal täglich alle Ihre Eingangskörbe und arbeiten Sie den Inhalt der Reihe nach und einzeln durch. Der Eingangskorb ist nur eine Zwischenstation für die losen Enden. Er ist keine Ablage und keine ToDo-”Liste”.

Der nächste Teil beschäftigt sich mit dem Durcharbeiten Ihrer Eingangskörbe. Kurz gesagt geht es darum, heraus zu finden, um was es überhaupt geht und ob etwas zu tun ist. Falls ja, wird die Aufgabe direkt erledigt (wenn sie weniger als 2 Minuten dauert), delegiert oder kommt auf Ihre Aufgabenliste (in Form des nächsten Schrittes). Falls nicht, landet der Zettel oder das Dokument im Müll, wird abgelegt oder es wird vermerkt, dass Sie eine Entwicklung abwarten möchten.

Einführung in GTD: Übersicht

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