
photo by brian_hdrck
Im Internet gibt es dutzende von Vorlagen, um ein persönliches Budget zu erstellen. Vor allem in meinen Studienzeiten habe ich einige davon ausprobiert, obwohl oder gerade weil man als Student nicht ein sehr grosses Einkommen hat, und ich mir dies gut einteilen musste. Doch meist war ich nicht sehr erfolgreich und das Budgetieren hat eigentlich gar nicht verändert. Der Grund lag darin, dass diese Budgets einfach zu viele Kategorien hatten. Je mehr man das Budget unterteilt, desto mehr ist man in ein enges Schema eingezwängt, welches nicht von einem selber stammt und daher kaum eine langfristige Wirkung entfalten kann. Heute habe ich ein ganz simples, einfaches Budget, welches mir den Rahmen vorgibt, aber nicht zu sehr ins Detail geht. Meine liebsten 5 Tipps für ein einfacheres Budget möchte ich euch heute vorstellen.
5 Tipps für ein einfaches Budget
- 60-Prozent-Lösung: Das ist ein sehr einfacher Weg, sein Budget zu strukturieren. 60% des Einkommens sind für alle monatlichen Ausgaben reserviert. Darin sind alle Ausgaben drin, mit denen man monatlich rechnen muss. Den Rest sieht man fürs Sparen und “Taschengeld” vor. Die Prozentangaben können je nach verfügbarem Einkommen und je nach Bedürfnissen ändern. Doch als grobe Faustregel bewährt sich diese Aufteilung ganz gut:
- 60 Prozent = Monatliche Ausgaben: Hier sind alle Ausgaben für Wohnen, Essen, Versicherungen, Transport usw. enthalten. Zuerst listet man am besten alle fixen Ausgaben auf, also Ausgaben, die jeden Monat genau gleich hoch sind (Miete, Breitbandanschluss, Versicherungen, Abos usw.). Dann ergänzt man die Ausgaben, die variieren können (Telefon, Essen, Haushalt, Strom, Wasser usw.). Am besten macht man eine Schätzung aufgrund der alten Rechnungen, damit man in etwa sieht, wie viel das monatlich ausmacht.
- 10 Prozent = Altersvorsorge: 10% des Einkommen wandern in die Altersvorsorge. Bei uns in der Schweiz gibt es neben der obligatorischen Altersvorsorge – die automatisch vom Lohn abgezogen wird – noch die freiwillige Vorsorge. Diese ist hier gemeint (für die Schweizer: 3. Säule).
- 10 Prozent = langfristiges Sparen: Dieses Geld kann man anlegen und es muss nicht sofort verfügbar sein. Oder man kann mit diesen 10 Prozent Schulden zurück zahlen (v.a. Konsumschulden). Denn Schulden zurückzahlen ist für mich ein langfristiges Sparen, einfach mit umgekehrten Vorzeichen: Je weniger Schulden man hat, desto weniger Zinsen zahlt man und desto höher ist das verfügbare Einkommen.
- 10 Prozent = Anschaffungen: Das ist für unregelmässige Ausgaben gedacht, die halt manchmal kommen: Reparaturen, Geräte (Staubsauger, Kaffeemaschine, Rasierer usw.), Geschenke (Geburtstag, Weihnachten, Jahrestage usw.). Es umfasst also Unvorhergesehenes und unregelmässige, aber absehbare Ausgaben. Dieses Geld muss schnell verfügbar sein, kann also nicht gut angelegt werden. Wenn das Geld dann benötigt wird, kann man es direkt einsetzen und muss es nicht aus den anderen Kategorien zusammen kratzen.
- 10 Prozent = “Taschengeld”: Dieses Geld kann man für irgendwas und ohne schlechtes Gewissen einsetzen: Auswärts essen, Gadgets, Kino, Bücher usw. - Wenig Kategorien: Je weniger Kategorien, desto höher die Übersicht und Flexibilität. Ein Beispiel: Über Mittag kann ich nicht zu Hause essen, weil es sich zeitlich nicht lohnt, nach Hause zu fahren. Ich habe deshalb pro Monat einen gewissen Betrag für diese Ausgaben vorgesehen (als Teil der Kategorie “Essen”). Pro Tag macht das dann X Fr. Wenn ich auswärts essen gehen will, ist das kein Problem, dafür muss ich halt am nächsten Tag etwas von zu Hause mitnehmen oder so. Aber ich unterscheide nicht zwischen “mittags auswärts essen” und “mittags nicht auswärts essen”. Das würde das Ganze komplizierter machen als nötig. Die Kategorie “Kleider” fehlt ganz bei mir. Das läuft bei mir unter Taschengeld – wenn ich etwas einfach haben will, aber nicht unbedingt muss – oder unter den Anschaffungen – wenn ich definitiv was ersetzen muss. Eine Kategorie, die ich vielleicht noch einbauen will, ist “Steuern”. Hier in der Schweiz werden nämlich die Steuern nicht direkt vom Lohn abgezogen, sondern man muss den ganzen Betrag selber bezahlen. Da ich aber bei den monatlichen Ausgaben unter 60% bin (nur ca. 50%), habe ich da noch jeweils etwas übrig, was ich für die Steuern sparen kann.
- Ausgaben aufschreiben: Von Zeit zu Zeit notiere ich mir während eines Monats jeden Franken, den ich ausgebe. So sehe ich, ob mein Budget überhaupt (noch) realistisch ist oder ob ich die Prozentzahlen ein wenig anpassen muss oder ob ich mein Ausgabengebaren überdenken muss (das kommt manchmal vor :-) ). Das ist eine sehr gute Übung, denn man gibt das Geld bewusster aus und hat immer den Überblick hat.
- Verschiedene Kassen: Es ist nicht jedermanns Sache, alle Ausgaben aufzuschreiben. Alternativ kann man auch verschiedene Kassen führen. Das ist wörtlich gemeint! In der Einteilung von oben geht das meiste Geld “automatisch” weg. Soll heissen: Die fixen monatlichen Beiträge gehen per Dauerauftrag raus, die Altersvorsorge und das Sparen wird ebenfalls per Dauerauftrag auf die entsprechenden Konti verteilt und Rechnungen bezahle ich online. So bleiben eigentlich nur drei Kategorien, wo ich tatsächlich Geld in die Hand nehmen muss: Haushaltsausgaben (inkl. Essen), Essen über Mittag (nicht zu Hause) und Taschengeld. Haushaltsausgaben (das sind die normalen Einkäufe im Laden) zahle ich immer mit Karte. Für die anderen beiden Kategorien habe ich physisch zwei getrennte Kassen. Bei mir habe ich das in der Geldbörse getrennt. Man kann aber auch einfach zwei Umschläge nehmen. Im einen ist das Geld für das Essen, im anderen das Taschengeld drin. Entsprechend der Ausgabe, bezahlt man das aus dem einen oder andere Umschlag. Mag ein bisschen grossmutterhaft klingen, aber ist ein sehr effektiver Weg, seine Finanzen zu überblicken ohne jeden Franken aufschreiben zu müssen. Je nachdem braucht ihr natürlich mehr Umschläge (z.B. noch einen fürs Benzin).
- Review: Einen Rückblick pro Woche sollte man unbedingt machen. Das dauert nur kurz, aber man sieht, ob man noch im grünen Bereich ist oder nicht. Wenn man verschiedene Kassen hat, kann man einfach da rein schauen und sieht sofort, ob alles in Ordnung ist. Noch einen kurzen Blick in mein Online-Banking-System und ich habe den Überblick.
P.S.: Dieser Eintrag basiert auf einem Artikel von Leo Babauta auf Zen Habits. Ich habe noch meine Gedanken ergänzt und ein paar Sachen von ihm weg gelassen.
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Schön wäre es, wenn es so einfach wäre.
1. Die Ausgaben schwanken oft sehr stark pro Monat.
2. Wenn man verheiratet und Kinder hat, ist es nahezu unmöglich, so ein Schema durchzuhalten.
@Fox: Danke für den Kommentar! Ich habe mich auch gefragt, ob ich das nicht zu einfach sehe, aber ich denke nicht. Ein Budget dient in erster Linie dazu, einen Rahmen vorzugeben. Natürlich gibt es Ausgaben, die monatlich schwanken, gerade wenn man Kinder hat. Aber das ist einer der Vorteile eines einfachen Budgets: Die Kategorien sind nicht so fein unterteilt, dass eine Schwankung in der einen Kategorie das ganze Budget aushebelt.
Wichtig sind die Ideen, die dahinter stecken. Und das sind drei:
1. Freiräume lassen: Ein zu eng gestricktes Budget (mit zu vielen Kategorien) sprengt sich leicht selber, eben wenn die Ausgaben zu sehr schwanken. Deshalb nur eine Grobeinteilung.
2. Klarheit schaffen: Mir hat es sehr geholfen, einen Monat lang jeden Franken aufzuschreiben, den ich ausgebe. Seither weiss ich, wo meine persönlichen Ausgabefallen stecken und was mich wie viel kostet.
3. Übersicht behalten: Mit Hilfe der verschiedenen Kassen und dem Review habe ich laufend den Überblick, in welchen Kategorien ich zurück schrauben muss und wo ich gut drin bin.
Natürlich passt aber diese Art zu budgetieren nicht zu jedem Fall. Es gibt unterschiedliche Anforderungen, welche erfüllt werden müssen. Wie man budgetiert ist letztlich egal. Wichtig ist, dass man überhaupt ein Budget hat (ausser man muss überhaupt nicht aufs Geld schauen).
Für die meisten der wichtige Punkt wird wohl sein, ein bestimmtes Taschengeld zu budgetieren. “Fun-Money” habe ich glaub ich mal in einem englischen Artikel gelesen. Einfach um sicherzustellen, dass man sich nicht ueber einen realistischen finanziellen Rahmen hinaus Sachen “mal goennt”, was sonst leicht aus dem Ruder laufen kann.
Vor allem weil da ja so viele fuer sich genommen sehr kleine Ausgaben drin stecken. Fuer die einen ist der “Latte-Faktor” da der nicht wahrgenomme finanzielle Stolperstein, fuer mich war es sozusagen der “Kebab-Faktor”. ;)
Ansonsten find ich die Tipps ganz praktikabel, natuerlich je nach Situation angepasst. :) Vor allem #4 ist ein sehr einfacher und effektiver Weg, den Ueberblick zu behalten.
Jan
@Jan: Danke für Deinen Hinweis! Da bin ich mit Dir einig, dass man sich ab und an mal etwas zu viel gönnt. Man darf aber den Lustfaktor nicht vergessen! Ich kenne Leute, für die der “Latte-Faktor” einfach ein Stück Lebensqualität ist. Ich denke, einfach zu leben lässt sich von jedem mit grossem Gewinn umsetzen, aber spartanisch oder asketisch zu leben, ist nur ein Ding für wenige. “Einfach leben” heisst auch und vor allem bewusst zu leben – gerade bei den Finanzen. Ansonsten kann es schnell zu einem – wie Du schreibst – “nicht wahrgenommenen finanziellen Stolperstein” kommen.
Ich finde die Tipps gar nicht schlecht! Für viele ist das sicher hilfreich.
Beste Grüße
Ralf
Die Tipps sind grandios ;)