
photo by ZenseL
Lustiger Titel! Den kann man lesen als “einfach leben” oder als “einfach leben“. Beides hängt zusammen: Wer einfach lebt, kann sich auf das Leben selber konzetrieren, also einfach leben. Das ist meine Hauptmotivation, weshalb ich versuche, mein Leben zu vereinfachen. Doch schön der Reihe nach: Einfach leben oder “Simplify your life” ist in den letzten Jahren sehr populär geworden. Im deutschsprachigen Raum gilt als Klassiker das Buch von Werner Tiki Küstenmacher, im englischen Raum beispielsweise das Buch von Elaine St. James. Doch was heisst das eigentlich? Darf ich mit denn gar nichts mehr gönnen? Heisst “simplify” “asketisch” oder “geizig”? Nein, das ist natürlich nicht so. Passend zur ganzen Philosophie gibt es eigentlich genau zwei einfache Schritte:
- Schritt: Identifiziere, was in Deinem Leben das Wichtigste ist.
- Schritt: Streiche alles andere.
Diese zwei Schritte werden nun auf alles angewendet und zwar auf wirklich alles: Dinge, die wir besitzen; Kleider; Rezepte, die wir kochen; Beziehungen, Computerdateien, RSS-Feeds usw. Der grosse Gewinn, den man davon hat, ist folgender: Erstens konzentriert man sich auf die Dinge, die einem am Wichtigsten sind (logisch…) und die einen wirklich weiterbringen oder glücklich machen. Zweitens hat man eben auch mehr Zeit für diese Dinge, denn man ist nicht ständig abgelenkt oder wird nicht ständig aufgehalten von tausend Kleinigkeiten.
Ich versuche nun seit einigen Monaten, mein Leben zu vereinfachen. Was ich bisher gelernt habe: Vereinfachen ist wohl eher ein Weg als ein Ziel. Es gibt immer noch Dinge, wo ich merke, dass ich sie noch einfacher machen könnte. Oder ich werde nachlässig und es sammelt sich plötzlich doch wieder etwas an (plötzlich habe ich doch wieder doppelt so viele abonniere Feeds, obwohl ich doch ausgemistet habe usw.). Aber: Es ist unglaublich befriedigend und vor allem sehr befreiend, sich an einen aufgeräumten Arbeitstisch setzen zu können, wo wirklich nur das Wichtigste drauf ist: Bildschirm, Tastatur, Maus, Lampe – und fertig. Oder einfach mit seinem Teller an den Esstisch sitzen zu können und zu essen, ohne zuerst noch die Post von gestern wegräumen zu müssen oder die Einkäufe zu versorgen. Gerade bei Gegenständen geniesse ich es sehr, jetzt mehr Raum zu habe. Es gibt mir ein grosses Stück Freiheit.
Hier ein paar Tipps, um mal anzufangen, sein Leben zu vereinfachen:
- Schreibtisch aufräumen: Es ist so einfach zu machen, aber so schwierig zu tun :-). Jeder von uns räumt ab und an mal den Schreibtisch auf, aber die wenigstens belassen ihn dann aufgeräumt. Legt zuerst alles ab, was auf dem Schreibtisch ist. Auch Unerledigtes gehört nicht auf den Schreibtisch. Denn jedesmal wenn man es sieht, fühlt man sich gestresst: “Ach Gott, das muss ich ja auch noch machen.” Besser ist, es abzulegen und einen Punkt auf der ToDo-Liste zu machen. Auf den Schreibtisch gehören nur die Dinge, die man wirklich braucht, z.B. Notizblock und Kugelschreiber, Telefon, Computerzubehör, Agenda. Dasselbe gilt für die Dekorationsgegenstände, also höchstens z.B. ein Foto Ihrer Liebsten und eine Blume.
- EMail-Posteingang: Der Posteingang ist der elektronische Schreibtisch. Also auch hier: Leeren. Genau: Leert euren Posteingang. Legt die Mails, die ihr wirklich noch benötigt, in Ordner ab. Jedes Mailprogramm bietet dieses Feature. Mails, die nicht mehr benötigt werden, werden gelöscht oder allenfalls in einen Ordner “Archiv” abgelegt. Aber ein Posteingang mit dutzenden oder sogar hunderten von Mails ist nicht mehr handhab- oder überschaubar.
- Fokussieren: Verfolgt immer nur ein Ziel. Versucht nicht, zu multitasken. Das kann der Mensch einfach nicht (nicht einmal Frauen…). Durch Fokussieren auf eine Tätigkeit bündelt man die Energie. Man ist schneller und effizienter. Deshalb als erster Schritt: Mailbenachrichtigung ausschalten. Messenger ausschalten. Bei wichtigen Aufgaben: Telefon umleiten. Gönnt euch lieber Zeiten, wo ihr bewusst den Anrufbeantworter abhört oder die neusten Mail lest. Doch macht das nicht häufiger als 2-3 Mal pro Tag (wenn es die Arbeit erlaubt).
- Declutter: Im Englischen gibt es das wunderbare Word “declutter”. Das heisst so viel wie entrümpeln. Entrümpelt eure Wohnung: Fangt in einem beliebigen Zimmer an, aber bleibt so lange darin, bis ihr fertig seid. Lasst freie Flächen möglichst frei. Reduziert Dekorationsgegenstände auf ein Minimum. Dann wirken sie auch besser. Räumt Schränke komplett aus und fragt euch bei jedem Gegenstand, ob ihr den wirklich noch braucht.
- Einkaufen: Ich weiss, viele Menschen shoppen sehr gerne. Da ist eigentlich nicht dagegen einzuwenden, aber die Frage ist, warum man so gerne shoppt und was es einem gibt. Verdeckt das Shoppen etwas? Weiss man sonst nicht, was tun? Braucht man die Aufregung des Neuen? Ist man ein Jäger? Findet eure persönliche Antwort und überlegt euch dann, ob es das Shoppen wirklich wert ist. Das kann durchaus sein. Ich für mich habe aber gemerkt, dass mir etwas Neues zwar eine grosse Befriedigung gibt, aber diese sehr schnell wieder nachlässt, so dass ich sofort wieder was Neues brauche. Deshalb überlege ich mir, ob ich etwas wirklich kaufen will, ob ich es wirklich brauche und ob es mich bei meinen wichtigsten Dingen im Leben unterstützt.
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