Oft werde ich gefragt, wie ich auf mein Thema, nämlich produktives Arbeiten und Arbeitsorganisation, gekommen bin. Oder: Wie wird man Produktivitätstrainer?
Lesen Sie hier meine Geschichte, die in wenigen Wochen (vorläufig) im Anti-Zeitmanagement gipfelt, und weshalb es dieses Anti-Zeitmanagement eigentlich braucht.
Rückblickend hat mich das Interesse an den Rahmenbedingungen der Arbeit schon immer interessiert. Schon in der Schule las ich bereits Bücher über das Lernen.
Trotzdem kann ich vier Schlüsselerlebnisse bzw. -personen (nachträglich) identifizieren, die mich geprägt, auf mein Thema eingeschworen und schliesslich bis zum Anti-Zeitmanagement vorwärts getrieben haben.
Die vier Schlüsselerlebnisse
Schlüsselerlebnis 1: Gregor Staub
Vor ziemlich genau zehn Jahren beendete ich mein Studium der Soziologie mit Volkswirtschaftslehre und juristischen Nebenfächern. Neben diesen Fächern interessierte mich genau so sehr, wie ich am Effizientesten und Effektivsten lernen kann.
Was sich schon in der Schule abzeichnete, führte sich im Studium weiter. Ich beschäftige mich mit Mnemotechniken, Schnelllesen, MindMapping und vielem mehr.
So einen richtigen “Wow-Effekt” erlebte ich aber an einem Seminar mit Gregor Staub, dem Gedächtnistrainer. Der trat etwa im Jahr 2000 im Rahmen einer ganztägigen Veranstaltung auf, in der es um das Lernen im Studium ging.
Ich habe keine Ahnung mehr, wer die anderen Referenten waren, doch den Auftritt von Gregor Staub habe ich noch in lebhafter Erinnerung. Hier erfuhr ich das erste Mal, wie man Menschen von einem Thema so begeistern kann, dass sie mitten in der Veranstaltung aufspringen und applaudieren.
2. Schlüsselerlebnis: Leo Babauta
Nach meinem Studium arbeitete ich im öffentlichen Dienst als Projektmitarbeiter, später dann als Projektleiter. Auch während dieser Zeit beschäftigte ich mich mit dem “Drumherum” meiner Arbeit und las unzählige Bücher rund um Arbeitsorganisation.
Im Mai 2007 entdeckte ich dann zufällig die Seite zenhabits.net von Leo Babauta. Sie lesen dort vielleicht selbst mit. Ich gehöre zu der ersten Lesern überhaupt, begann er doch erst drei Monate vorher mit seiner Seite.
Durch ihn habe ich erfahren, was Blogs sind und habe immer mehr Blogs abonniert, bis ich schliesslich im Oktober 2007 selbst mit meinem Blog anfing.
Zu diesem Zeitpunkt hatte mich das Thema Zeitmanagement schon völlg in Beschlag genommen: Ich las viel darüber, probierte sehr vieles aus und schrieb nun auch darüber. Ursprünglich schrieb ich völlig ziel- und planlos. Ich wollte einfach überprüfen, ob ich das, was ich da so las und umsetze, auch wirklich verstand.
Später verdiente ich sogar etwas Geld damit, war ich doch (nicht offiziell, aber faktisch) Hauptautor bei imgriff.com.
OK, zugegeben, irgendwie im Hinterkopf sass ein kleiner Traum, einmal so erfolgreich wie Leo Babauta zu werden. :-)
3. Schlüsselerlebnis: Die 7 Wege zur Effektivität
Es gibt ganz wenige Bücher, die mein Leben veränderten. “Die 7 Wege zur Effektivität” von Stephen R. Covey gehört dazu.
Hier lernte ich das persönliche Leitbild kennen und stellte mir zum ersten Mal die Fragen:
- Was willst Du eigentlich ganz genau?
- Was ist Dir wichtig?
- Welche Werte sind Dir wichtig?
Obwohl nie angestrebt, entstand bei der Beantwortung dieser Fragen mein Wunsch, mein eigener Chef zu werden, zumal ich bei einigen Arbeitsstellen sehr schlechte Erfahrungen machte.
So begann ich, nebenbei blatternet auszubauen, Trainings und Seminare zu geben, Produkte zu veröffentlichen und noch mehr Artikel zu schreiben.
4. Schlüsselerlebnis: Eben Pagan
Ich bilde mich regelmässig weiter und besuche auch Zeitmanagement-Kurse, um Neues zu lernen. Irgendwann realisierte ich, dass viele Kurse und Produkte zwar toll sind, aber eigentlich nur Symptome bekämpfen. Oder auf den Punkt gebracht:
Eine neuer Tipp macht noch nicht automatisch produktiver – ausser man war vorher schon sehr produktiv. Eine neue Einstellung, neue Glaubenssätze und ein neues Bewusstsein bezüglich der eigenen Arbeit hingegen schon.
Ich kann diesen Moment der Erkenntnis an einem einzigen Kurs festmachen, nämlich an “Wake Up Productive” von Eben Pagan. Dieser Kurs geht weit über all das hinaus, was unter Zeitmanagement verstanden wird. Hier lernt man nicht, wie man eine Aufgabenliste führt oder Prioritäten setzt, sondern man lernt neue Gewohnheiten und setzt sich einen optimalen Rahmen, um produktiv arbeiten zu können.
Dieser Kurs hat mich nicht losgelassen. Viele Themen daraus hatte ich auch schon berücksichtigt, aber nicht in dieser Konsequenz. Ich habe versucht, meine Konzepte und Seminare anzupassen, doch irgendwann realisiert, dass ich etwas neues mit meinen eigenen Begrifflichkeit und Schwerpunkte schaffen muss.
Die Kumulation im Anti-Zeitmanagement
Genau das habe ich in den letzten Monaten Schritt für Schritt getan: Ich habe nach allgemein gültigen Prinzipien gesucht.
Ich habe Prinzipien gegeneinander abgewogen, liess alle Ideen reifen, habe sie verfeinert, bis sie schliesslich ins Anti-Zeitmanagement mit seinen 5+2 Prinzipien mündeten.
Diese Prinzipien gehen weit über das traditionelle Zeitmanagement hinaus. Ja, sie müssen über das traditionelle Zeitmanagement hinausgehen.
Der Stress nimmt seit Jahren zu, viele Menschen wissen nicht mehr, wie sie “es” in den Griff bekommen (anstatt dass “es” sie im Griff hat). Es braucht neue Wege und Methoden, um hier nicht unterzugehen.
Wir lernen in unseren Ausbildungen ganz viele nützliche, ja manchmal sogar brilliante Dinge. Doch wie wir uns selbst, unsere Arbeit, unser Leben eigentlich organisieren, wie wir das Bestes aus unseren Möglichkeiten machen, wie wir unsere Leistung abrufen können, ohne uns auszusagen, lernen wir nicht.
Genau das brauchen wir aber bei der Arbeit. Wir müssen uns genau so professionell organisieren wie ein Sportler sich organisiert und trainiert, um seine Höchstleistung punktgenau abrufen zu können. Nur so schaffen wir es, nicht unterzugehen.
Das ist das grosse “Warum?” des Anti-Zeitmanagements. Schon nur deshalb kann das Anti-Zeitmanagement nicht einfach ein E-Book wie viele andere oder ein Kurs wie viele andere sein. Sondern das Anti-Zeitmanagement muss (und tut es auch!) neue, andere Schwerpunkte setzen und neue, andere Zugangswege finden.
Bald geht es los mit dem Anti-Zeitmanagement! Bis es soweit ist, will ich Ihnen in einem nächsten Beitrag einen Einblick in die Entstehung geben.
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