
photo by i b u
Es gibt Tage, da habe ich keine Lust auf gar nichts. Wie bei vielen Menschen ist das bei mir oftmals am Montag so. Ich bewundere dann immer die Menschen, denen alles so leicht fällt und die immer frisch und fröhlich am Tun sind. Ich habe mich dann schon selber ertappt, wie ich mir überlegt habe, warum der oder die immer so motiviert sind und mir dann als Generalentschuldigung für meine eigene Demotivation gesagt habe: Naja, es gibt halt Menschen, die immer und für alles motiviert sind. Die sind einfach motiviert, das ist ein Talent von denen. Aber vermutlich ist das nicht nur Talent, sondern diese Menschen wenden bewusst oder unbewusst Methoden zur Selbstmotivation an. Doch eigentlich kann das jeder! Wie das gehen kann, möchte ich heute zeigen.
Motivation kommt von lateinischen “motus” (“die Bewegung”) und heisst somit soviel wie der Beweggrund. Das beinhaltet eine Richtung und die Energie, die aufgewendet werden muss, um in diese Richtung zu gehen. Richtung und Energie. Das wiederum hat etwas zu tun mit Zielen und Effektivität, also wie erreiche ich mein Ziel, was muss ich dafür tun, was muss ich dafür investieren. Damit können wir schon sagen, dass Motivation oder motiviert sein nicht einfach Eigenschaften sind, die man hat oder eben nicht. Im Gegenteil: Hinter Motivation steht auch Arbeit. Damit kann man selber etwas tun, um sich zu motivieren. Natürlich geschieht das nicht immer bewusst. Es gibt Zeiten und Verpflichtungen, wo man einfach motiviert ist und einem alles ohne Anstrengung gelingt. Doch auch dann wissen wir genau (vielleicht unbewusst), wohin wir gehen wollen und wozu wir das tun.
Gefährlich wird’s immer dann, wenn wir in die Grübelfalle geraten. Die Grübelfalle habe ich bei Nicola Fritze entdeckt, die einen höchst spannenden Podcast zum Thema Motivation macht. Sie sagt, dass das Problem genau dann anfängt, wenn wir unsere Entscheidungen plötzlich hinterfragen und grübeln, warum wir das jetzt eigentlich gar nicht tun wollen. Ein Beispiel: Ich nehme mir schon seit langem vor, mehr Sport zu treiben (wie wohl die meisten von uns…). Dazu habe ich mir ein Springseil gekauft, weil ich damit erstens zu Hause trainieren und ein Hörbuch dazu hören oder TV schauen kann und zweitens weil ich mich dann nicht aufraffen muss, das Haus zu verlassen. Das war eine gute Idee und ich bin fröhlich gesprungen. Dann hatte ich Knieschmerzen und seither bin ich nie mehr gehüpft. Das Knie ist zwar wieder heil, aber jeden Morgen denke ich: Ach, heute mag ich nicht. Oder: Ich bleibe lieber länger im Bett. Oder: Ich lese lieber in meinem spannenden Buch über Selbstmotivation, dann tue ich mir ja auch was Gutes… Mit anderen Worten: Ich komme ins Grübeln und damit habe ich schon halb verloren. Viel besser wäre es, einmal zu meiner Entscheidung zu stehen und das Training fest in meinen Tagesplan einzubauen.
Die Psychologie weiss, dass wir zwei Gedankenstränge uns motivieren: 1. Die Vorteile des Tuns. 2. Die Nachteile des Nicht-Tuns. Wenn wir motiviert sind, etwas zu tun, da liegt das daran, dass wir das tun wollen und dass wir wissen, warum wir das tun wollen, sprich was für Vorteile es uns bringt. In meinem Beispiel: Ich weiss genau, dass wenn ich regelmässig Seil springe, ich dann fitter werde, mich besser fühle, mehr Power und mehr Energie habe. Gleichzeitig kenne ich auch die Nachteile, wenn ich es nicht tue. Nämlich: Ich fühle mich nicht so fit und jung, wie ich gerne sein möchte, das Treppensteigen geht nicht so zackig vor sich hin usw.
Soweit, so gut, das klingt einleuchtend. Aber jetzt wirds spannend, denn jetzt gucken wir mal, was unser Gehirn dazu meint. Unser Gehirn ist nämlich in erster Linie darum bemüht, uns am Leben zu erhalten. Das bedeutet, es gibt alles, um uns vor Hunger, Schmerzen, Gefahr usw. zu bewahren. Das tut es, indem es uns die Nachteile von unserem Tun vorhält. Deshalb wiegen die Nachteile von etwas immer mehr als die Vorteile davon. Übertragen auf die Motivation heisst das: Die Nachteile, etwas nicht zu tun, müssen viel stärker sein, als die Vorteile etwas zu tun. Richtig motiviert, Seil zu springen, bin ich also dann, wenn ich genau weiss, was es heisst, wenn ich es eben nicht tue. Dadurch springe ich nicht automatisch Seil, aber ich bin auf dem richtigen Weg: Wenn ich ganz konkret weiss, was passiert, wenn ich nicht mehr Sport treibe, dann mache ich es eher.
Wenn ihr euch also ein Ziel vornehmt, dann überlegt nicht nur, was euch das Erreichen des Ziels für Vorteile bringt, sondern auch, was für Nachteile es bringt, wenn ihr das Ziel nicht verfolgt oder erreicht. So haben ihr schon mal einen guten Start!
Hier noch ein paar konkrete Tipps, um sich selber zu motivieren und motiviert zu bleiben:
- Vertrag: Je höher die Verpflichtung, desto eher tut man es. Deshalb: Schliesst einfach einen Vertrag mit euch selbst ab! Hört sich ein wenig merkwürdig an, aber ist recht effektiv: Man kann nicht nur mit anderen verbindliche Abmachungen treffen, sondern auch mit sich selbst. Notiert das Ziel, die Häufigkeit usw., einfach alles, was ihr auch mit einem anderen festhalten würden. Wenn ihr das auch noch aufschreibt, dann kann euch das ganz schön beeindrucken. Und wenn ihr es auch noch irgendwo aufhängt, wo ihr es sehen müsst, dann ist ein grosser Schritt schon getan.
- Regelmässigkeit: Oftmals lassen wir uns einfach treiben. Aber an den Gewohnheiten halten wir fest. Das kann man nützen: Versucht, Ihre Tätigkeiten zu Gewohnheiten werden zu lassen wie das Waschen und Zähneputzen am Morgen. Macht eine Tätigkeit immer zur selben Zeit. Wenn ihr also beispielsweise zu demotiviert seid zu putzen, dann schafft euch die Gewohnheit, jeden Samstag morgen Staub zu saugen.
- Kleine Brocken: Ein Ziel kann sehr schnell zu gross und damit einschüchtern wirken. Auch Edmund Hillary hat den Mount Everest nicht in einem Sprung bestiegen, sondern Schritt für Schritt. Brecht eure Ziele in kleine Stücke! Ich habe auch keine Lust, den halben Samstag zu putzen, also putze ich in kleinen Schritten: Oft sprühe ich schnell vor dem Duschen ein wenig Putzmittel in mein Waschbecken und in meine Toilette. Wenn ich dann fertig geduscht habe, muss ich nur kurz das Becken ausreiben, damit ich weiter machen kann. Genauso mit der Toilette. Das verlängert meine Dusche um keine 3 Minuten, aber das Bad ist danach schon mal sauberer. Genauso putze ich nach dem Kochen die Küche und räume das dreckige Geschirr weg. So kann ich für die nächste Mahlzeit gleich loslegen und muss zudem beim Wochenputz nicht zuerst lange noch aufräumen. Jedes noch so grosse Ziel beginnt mit dem ersten kleinen Schritt.
- Druck: Viele Menschen sagen ja von sich, dass sie Druck bräuchten, um auf Hochtouren zu kommen. Wenn es hilft, dann setzt euch selber unter Druck, indem ihr von euren Zielen sprecht. Wenn ihr euren Freunden und Bekannten sagt, dass ihr 10 Kilo abnehmen wollen, dann gibt das eine andere Verbindlichkeit, als wenn ihr das für euch behaltet. Ihr wollte euch ja nicht blamieren, oder?
- Begeisterung: Motivert sein und bleiben hat wenig mit Disziplin zu tun. Wenn man sich überlegt, wann man in seinem Leben so richtig motiviert war, dann waren das sicherlich sehr oft oder sogar immer Situation, in denen man auch begeistern von etwas war. Dann packt man mühelos auch die unangenehmsten Aufgaben. Deshalb: Seid begeistert! Wie? Indem ihr mit eurem Innersten in Übereinstimmung leben. Ich spreche hier eine Prozess an, der wohl zum Spannesten überhaupt gehört, wenn man sich mit sich selbst beschäftigen will: Was ist es, was ich wirklich will? Was sind meine tiefsten Werte? Was will ich im Leben erreichen? Wie kann ich das in Ziele für heute und morgen herunter brechen?
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