
Ein Klassiker im Zeitmanagement ist die Planung, besonders die Tagesplanung. Die Tagesplanung gibt uns die Richtung vor, die der heutige Tag nehmen soll. Sie stellt sicher, dass wir die wichtigen Dinge zeitgerecht erledigen können und uns nicht von der Alltagshektik treiben lassen. Damit ist sie ein wichtiges und sinnvolles Instrument des Zeitmanagements und der Arbeitsorganisation. In diesem Artikel möchte ich ein paar Dinge rund um die Planung, besonders rund um die (zu) enge Planung, diskutieren.
Das Instrument der Planung leuchtet den meisten von uns unmittelbar ein. So nehmen viele von uns eine Tagesplanung vor und sei es nur, sich morgens kurz zu überlegen, was wir heute so tun möchten.
Häufig begegne ich zwei Fallen bei der Tagesplanung:
- Wir nehmen uns viel zu viel vor.
- Wir werden zu wenig konkret.
“Heute kümmere ich mich endlich um den Abschlussbericht” ist keine Tagesplanung, sondern ein frommer Wunsch. Was heisst denn das genau? Was muss ich denn alles erledigen, bis der Abschlussbericht fertig ist? Habe ich heute genug Zeit dafür? Sind die Leute, deren Hilfe ich benötige, überhaupt da?
Die klassische Zeitmanagement-Literatur schlägt uns vor:
Planen Sie Ihren Tag genau. Am besten schon am Abend vorher. Aber höchstens zu 50%, um noch Reserven zu haben. So wissen Sie genau, was Sie morgen um 9.37 Uhr oder um 14.23 Uhr erledigen werden.
So eine genaue Planung mag funktionieren und hat durchaus gewisse Vorteile: Ich reserviere mir Zeit für meine Aufgaben und erkenne, ob mir diese Zeit überhaupt zur Verfügung steht. Habe ich einen Tag voller Meetings, kann ich nicht mehr viele zusätzliche Aufgaben planen.
Trotzdem bleibe ich skeptisch gegenüber dieser genauen Planung: In einer geschlossenen Welt, in einer Welt ohne Unterbrechungen, ohne ständig neue Aufgaben, ohne permanente Überflutung und mit klar umrissenen Aufgaben mag das funktionieren.
Unsere Arbeitswelt ist allerdings eher das Gegenteil davon und eine detaillierte Tagesplanung damit zum Scheitern verurteilt.
Unterbrechungen, häufiger Wechsel zwischen Aufgaben, ständige Ablenkungen gehören zu unserem Alltag. Sich dagegen zu sperren, ist nicht ganz einfach oder machmal auch nicht sinnvoll. Deshalb müssen wir lernen, damit umzugehen. Ein genauer Tagesplan hilft hier nicht. Spätestens eine Stunde nach Arbeitsbeginn ist der Plan völlig überholt und gehört nur noch in die Rundablage (=Abfall).
Es geht also darum, eine Art Tagesplanung zu finden, die die Vorteile der Planung nutzt, ohne zu genau und zu detailliert zu sein. Die Kunst besteht also darin, die Richtung vorzuspuren ohne einzuschränken.
Die drei Tagesziele
Ich nehme mir deshalb jeden Tag höchstens drei Tagesziele oder Tagesaufgaben vor, ohne zu definieren, wann ich diese Aufgaben erledige. Das sind die drei wichtigsten Aufgaben des Tag. Nicht die dringendsten – die muss ich ja eh erledigen ob mit oder ohne Planung – sondern die wichtigsten. Diese drei Aufgaben sind sogar so wichtig, dass mein Tag erfolgreich war, wenn ich nur diese drei Aufgaben schaffe.
Jede dieser Aufgaben kann ich in etwa 30 bis maximal 60 Minuten erledigen. Damit habe ich höchstens anderthalb bis drei Stunden meines Tages verplant. Die restliche Zeit, die fühlt sich dann schon von selbst.
Diese einfache Art der Planung hilft mir, meinen Tag eine gewisse Richtung zu geben, ohne mich einzuschränken. Ich habe also noch genug Zeit zur Verfügung für Unvorhergesehenes, für Spontanes. Denn was nützt mir ein Plan, der zwar genau ist, aber den ich ja doch nicht einhalten kann?
Ähnliche Artikel:
- Zeitmanagement und Tagesplanung: Die drei wichtigsten Aufgaben des Tages
- Gestern und morgen: Weshalb es nicht reicht, nur im Jetzt zu leben
- Fünf Blogs, die Sie unbedingt lesen sollten
- So gelingt es Ihnen, besser abzuschätzen, wie lange Sie für eine Aufgabe benötigen
- Wie sieht das Zeitmanagement eines Produktivitätstrainers aus? – Ein (halb)fiktives Interview
Diesen Artikel weiterempfehlen:
Auf blatternet.de finden Sie über 200 kostenlose Artikel. Unterstützen Sie diesen Service mit einer kurzen Empfehlung. Vielen Dank!





Hallo Ivan,
schön zu sehen das du genauso denkst wie ich. Ich finde diese genauen Zeitvorgaben haben noch nie funktioniert. Außerdem kann ich schlecht planen wie lange ich für eine Aufgabe letztendlich brauche.
http://www.zencover.com/blogs/zencover-news/2716782-top-5-methode
Stay Focused.
Genau! Ich mache damit persönlich und in den Trainings mit meinen Kunden sehr gute Erfahrungen.
Oft ist in den Köpfen der Leute immer noch, man müsse alles ganz genau planen. Das kann leider zu Frust oder schwindender Motivation führen: Es ist sehr frustrierend, jeden Abend zu sehen, dass man einen (grossen) Teil der geplanten Aufgaben nicht geschafft hat.
Dieser Frust wird mit dieser Methode verhindert.
Wenn man zu wenig konkret ist, hilft es oft, die Aufgabe in Fragen zu unterteilen.
Genau! Fragen sind sowieso ein gutes Mittel, um Dinge zu hinterfragen. Ich führe beispielsweise eine Datenbank mit guten Fragen (inspiriert von Scott Ginsberg).
Hallo Herr Blatter,
ganz tolle Ausführungen! Ich beschäftige mich schon lange mit dem Thema “Zeitmanagement”. Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Nur – wenn ich fragen darf – wie nutzen Sie das Formblatt für die Tagesplanung? Sind Ihre drei wichtigsten Tagesziele dann sozusagen ganztägige Ereignisse? Nicht dass ich etwas gegen einen leeren Tagesplan hätte aber meiner sieht – nach der obigen Anwendung – ziemlich “nackig” aus. Oder man springt dann doch gleich auf ein Wochenformular um. Vielen Dank für Ihre Website. Echt Klasse!!!!!
Danke schön!
Nein, für jede Tagesaufgabe brauche ich etwa 30-60 Minuten. Bei drei Tageszielen/-aufgaben habe ich so nur anderthalb bis drei Stunden verplant. Die restliche Zeit beschäftige ich mich mit Aufgaben, die sowieso anstehen (z.B. Kommentare beantworten :) ), oder die ich heute erledigen muss oder ich nehme Termine wahr.
Heute steht beispielsweise auf meiner Liste:
- Tweets vorbereiten (für Twitter): Wird mich höchstens 30 Minuten beschäftigen.
- Trainingseinheit 2: Entwurf und Screenshots machen: Das ist ein Modul für einen neuen Kurs und wird mich sicher eine Stunde kosten.
- Blogbeitrag für Donnerstag schreiben: Das ist ein Beitrag zu einer Blogparade. Der Beitrag ist im Kopf schon so gut wie fertig, ich muss ihn nun noch hinschreiben, was etwa 30 Minuten dauern wird.
Heute habe ich also nur 2 Stunden verplant, da ich noch ein paar Dinge heute erledigen muss bzw. noch Termine habe. Das sind meine drei wichtigsten Aufgaben des Tages. Falls ich schon um 10 Uhr damit fertig bin: Umso besser! Dann zücke ich meine Aufgabenliste und wähle nach GTD die nächste Aufgabe aus.
Dinge, die sowieso vorgegeben oder selbstverständlich sind, muss ich nicht weiter einplanen.
Der grosse Vorteil: Ich weiss, ich erreiche etwas, und habe gleichzeitig noch Platz für Unvorhergesehenes, Spontanes oder etwas, worauf ich so richtig Lust habe.